»Dem Vergessen entrissen:
Jüdisches Leben im Kraichgau«

»Juden in Odenheim«

Die Wanderausstellung „Jüdisches Leben im Kraichgau“ war zu Gast im Odenheimer Rathaus. Die Initiative für das Ausstellungskonzept lag beim „Heimatverein Kraichgau“ in Kooperation mit dem Verein „Jüdisches Leben im Kraichgau“. In anschaulicher Weise vermittelte die Ausstellung auf 30 Tafeln Einblicke in geschichtliche Entwicklungen und jüdische Lebenswirklichkeiten. Zur Darstellung gelangten religiöse Institutionen wie Judenschulen, Synagogen und Judenfriedhöfe, rituell bestimmte Vorschriften und Speisegewohnheiten, typische jüdische Erwerbszweige oder aber die Einbindung jüdischer Mitbürger in das Vereinsleben.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis Odenheim präsentierte in einem zweiten Ausstellungsteil die „Geschichte der Juden in Odenheim“. In einem vertonten Bildervortrag wurden die Besucher Teil einer Zeitreise vom Mittelalter bis in die dunklen Jahre der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Auf Informationstafeln kamen anhand eines Ortsplans die Wohnhäuser jüdischer Odenheimer Familien zur Darstellung, ebenso jüdische Geschäfte, von Manufakturwarenläden über Zigarrenfabriken bis hin zu jüdisch geführten Wirtschaften, vom Viehhändler über den Möbelschreiner bis hin zum Kohle- und Petroleumhändler. Gezeigt wurden auch die Biographien von in Odenheim geborenen Juden, die hier im Land oder in den Vereinigten Staaten zu Bedeutung gelangt waren: Hermann Hecht wurde zu einem der bedeutendsten Binnenschifffahrtsunternehmer entlang des Rheins, Isidor Flegenheimer zum Wirtschaftsrepräsentanten und württembergischen Oberkirchenvorsteher, Studienprofessor Ludwig Basnizki zum Autor eines heute noch aufgelegten Buches „Zur Entstehung des jüdischen Kalenders“, Salomon Sulzberger zum einflussreichen Vorsteher eines Tempels in New York sowie zum Präsidenten von Krankenhäusern und Bildungsinstituten und Siegmund Odenheimer zum wohlhabenden Baumwollspinnereibesitzer in New Orleans, der im Jahre 1932 die Mittel zur Erbauung des Siegfriedsbrunnens bei Odenheim stiftete.

Zur Ausstellungseröffnung hob Alt-Rektor Kurt Fay hervor, dass jüdische Familien nachweislich seit 1598, wahrscheinlich aber schon früher zu Klosterzeiten, ein wichtiger Bestandteil des Odenheimer Gemeindewesens waren. Ab dem 17. Jahrhundert vermittelten alte Akten Eindrücke von typischen Strukturen jüdischen Gemeindelebens mit einer Judenschule und einer Synagoge sowie einem Rabbiner als Vorsteher. Im Jahr 1864 habe die jüdische Gemeinde mit 156 Mitgliedern ihren Höchststand erreicht. Der nationalsozialistische Rassenwahn führte schließlich 1940 zur Deportation von 4 verbliebenen Odenheimer Juden nach Gurs und zur Ermordung von 20 in Odenheim geborenen Juden in den Vernichtungslagern. Kurt Fay erinnerte an die Worte von Karl Mentel anlässlich der Errichtung eines Gedenksteines am Platz der ehemaligen Synagoge im Jahr 1988: „Erinnerung muss mehr sein, als der Versuch, sich mit der Geschichte zu arrangieren - wir müssen uns der geschichtlichen Wahrheit stellen, nur so kann aus Erinnerung Versöhnung werden.“

In Anwesenheit von Bürgermeister Felix Geider brachten Ortsvorsteher Gerd Rink und die Vorsitzende des Vereins „Jüdische Leben im Kraichgau“, Elisabeth Hilbert, ihre Freude über das Zustandekommen der Ausstellung zum Ausdruck.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis hat in diesem Zusammenhang auch einen 56-seitigen „Extra-Linsabauch“ veröffentlicht.