Eine Seite mit allen Bildern zum Vortrag von Eugen Krapp über das Archiv - wie es war, wie es wurde, wie es ist, sehen Sie hier.

Über 400 Jahre Geschichte der Gemeinde Odenheim archiviert

Der Heimatkundliche Arbeitskreis Odenheim präsentiert langjährige Arbeit der Öffentlichkeit

..Nach beinahe achtjähriger Arbeit und erstaunlichen 1500 Arbeitsstunden durfte der Heimatkundliche Arbeitskreis Odenheim nun in einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung das Odenheimer Gemeindearchiv in den Räumlichkeiten des Odenheimer Rathauses präsentieren. Eröffnet wurde die Feier in dem voll besetzten Bürgersaal des Rathauses durch einige Liedvorträge des Odenheimer Burghofchors, der in bekannter Manier seine Vorträge im „Odama“ Dialekt zum Besten gab.

Eugen Krapp, Mitglied des Arbeitskreises und eine der tragenden Säulen des Projekts, zeigte nachfolgend durch einen Bildvortrag auf, wie viel Arbeit in die Archivierung der wertvollen Schätze gesteckt wurde. Nachdem man bereits in den Neunzigerjahren über den desolaten Zustand des bisherigen Archivs informiert war, die Gemeinde aber in damaligen Zeiten kein Geld für eine Restrukturierung des Odenheimer Gemeindearchivs bereitstellen konnte, hat man sich im Jahr 2000 selbst der Aufgabe angenommen und in Eigenregie, unter Berücksichtigung der finanziellen Mittel des Heimatkundlichen Arbeitskreises, mit den Arbeiten begonnen.

„Im Rathausspeicher befanden sich wertvolle Schätze, die einfach nicht verkommen durften“, so Erwin Krapp. Das größte Problem lag unter anderem darin, die Berge von Altakten entsprechend zu sortieren und zuordnen zu können, da bis dato kein Mitglied des Arbeitskreises die altdeutsche Schrift, auf der viele Akten basierten, fließend lesen konnte. Nachdem extra hierfür Seminare besucht wurden, konnten die Bücher und Akten einzeln aufgenommen und anschließend in einen Aktenplan fein säuberlich aufgelistet wer­den. Die Regale für die abschließende Aufbewahrung in den Räumlichkeiten des früheren Grundbuchamts besorgte sich der Verein selbst. Alle Akten wurden einer Säuberung unterzogen und mit einem Aktenzeichen versehen, sodass die Langlebig­keit gewahrt bleibt und das Wiederauffinden einzelner Akten vereinfacht wird. Das Archiv umfasst nun 424 Jahre Odenheimer Ortsgeschichte in der Zeit von 1549 bis 1973, also demnach bis ins Jahr, in dem Odenheim seine Selbstständigkeit verlor und in die damalige Gemeinde Östringen eingemeindet wurde.

Unter den Raritäten befinden sich Grund- und Lagerbücher, Akten zu Wahlen, Bücher zur Kirchengemeinde, Bauakten und vieles mehr. Unterstützung fand der Arbeitskreis durch Dr. Ralf Fetzer, der mit seinem Fachwissen um die wertvollen Schriftstücke samt Archivierung und „Übersetzung“ maßgeblich bei der Umsetzung beteiligt war. Besonders interessant sind die Akten, die noch bis weit vor den 30-jährigen Krieg hinausreichen, kommentierte Dr. Fetzer die Funde. Viele Akten gingen während des Krieges verloren oder wurden vernichtet. Umso seltener sind solch alte Funde wie in Odenheim. Als „Abfallprodukt“ seiner Arbeit in Odenheim bezeichnete Dr. Fetzer sein Buchprojekt „Hexen im Kraichgau“, welches auch Hexenverbrennungen und Streitigkeiten zwischen dem damaligen Stift und den Odenheimer Bürgern dokumentiert.

Um die Aktensuche im Archiv, welches immerhin 90 Meter Buchmaterial umfasst, zu erleichtern, wurde eigens eine Datenbank angelegt, in der alle Archivunterlagen hinterlegt und leicht auffindbar sind. Im Laufe des Jahres ist zudem ein sogenanntes Findbuch mit allen Werken der Fundgrube geplant.

Auch Kreisarchivar Bernd Breitkopf wohnte der Präsentation bei und hob den Stellenwert eines Archivs als „Gedächtnis der Verwaltung“ hervor. Die Funktion eines Archivs sei es, die Erlebnisse „aus dem Staub zu holen“ und wieder lebendig zu machen, so Bernd Breitkopf, der in gleichem Atemzug die sehr gute Arbeit des Heimatkundlichen Arbeitskreises lobte.

Bürgermeisterstellvertreter Kurt Ziegler zollte dem Verein großen Respekt und überbrachte die Grüße und besten Glückwünsche des Bürgermeisters und der gesamten Stadtverwaltung. Wir können auf unsere Geschichte mit Stolz zurückblicken und dürfen froh sein, dass die Quellen um die Vergangenheit noch lange nicht ausgeschöpft sind, kommentierte Ziegler die Fülle an Raritäten.

Auch Ortsvorsteher Gerd Rinck betrachtete die Arbeit als „Herkulesleistung“ und zeigte sich froh darüber, dass diese Arbeit überhaupt und zudem ehrenamtlich geleistet wurde. Die Bücher dokumentieren, dass wir Odenheimer schon immer um unsere Rechte gekämpft und diese Eigenschaft bis heute nicht abgelegt haben, beliebäugelt Rinck die zahlreichen Prozessakten, die nun die Regale zieren. Zum Abschluss nahmen zahlreiche Gäste die Gelegenheit war und begutachteten das Archiv samt der Bücher und Ortspläne.

Aus »Östringer Stadtnachrichten« (mit freundlicher Genehmigung des Autors, Herrn Meixner)

Klicken Sie aruf die Bilder, um sie in vergrößerter Ansicht zu betrachten: