Aufschlussreiche Aufschlüsse
Geopfad-Wanderung mit Wolfgang Essig

Wie sieht die Welt in einer Million Jahren aus? – Unvorstellbar! Wie sah sie vor 220 Millionen Jahren aus? Das lässt sich in Teilen für Odenheim nachweisen und veranschaulichen, wenn man dort eine Geopfad-Wanderung unternimmt. Rund 70 Interessierte taten dies am letzten Samstag, folgten der Einladung des Heimatkundlichen Arbeitskreises Odenheim und ließen sich von Wolfgang Essig auf einem Teilstück des von ihm angelegten Lehr-Pfades rund um den Stifterhof führen. Den Wanderern boten sich Aufschlüsse, die einem Fenster gleich Einblick geben in die Erdkruste. Ob es die imposante Felswand im Steinbruch „Bettelsmann Küche“ war oder die besondere Schilfsandstein-Schichtung in der „Steinigen Hohl“, immer wusste Wolfgang Essig seine Zuhörer zu interessieren und zu begeistern. Er nahm die Geo-Wanderer einer Zeitreise gleich 220 Millionen Jahre mit zurück, in denen die zu sehenden Gesteinsformationen entstanden waren. Ein riesiges Flussdelta, ähnlich dem des heutigen Mississippi- oder Ganges-/Brahmaputradelta, lag hier zu jener Zeit, gespeist von gewaltigen Strömen aus dem skandinavisch-baltischen Festland, die ungeheure Sandmengen anschwemmten, welche Millionen Jahre später durch weitere sich über ihnen bildenden Ablagerungen (bis zu 800 m) unter gigantischen Druck gerieten und dadurch zu dem Schilfsandsteingebirge gepresst wurden, das nun hier in Odenheim im Schnittbild als Aufschlusswand zu sehen ist. Durch den Experten gut angeleitet erkannten die Interessierten am Aussehen der Schichten, ob es sich um eine Sandsteinschicht aus einem Fließgewässer oder um eine aus einer stehenden Lagune handelt. Verwerfungslinien wurden gezeigt, die auf die noch bis heute andauernden tektonischen Aktivitäten im Oberrheingraben zurückzuführen sind. Besonders lehrreich war der Aufschluss, den die Steinbruchwand in der „Taubenklinge“ bietet. Fachkundige Erläuterungen und Hinweise ließen hier die Geo-Wanderer Schichtungen erkennen, welche auf die Würm-Eiszeit und die Riss-Eiszeit verweisen und lassen bis heute die Auswirkungen auf die Gesteinsformation erkennen, die der einstige Permafrost hinterließ. Bis über 100 m tief ging die Durchfrostung, welche in den kurzen Sommern nur oberflächlich taute und dadurch dem Gestein enorm zusetzte. Folgt man den Schichtungen der Wand gibt sie von oben nach unten den Blick frei in die Zeit vor 10000 Jahren bis zur der Zeit vor 220 Millionen Jahren und bietet die Möglichkeit, etwas über Kluftrichtungen zu lernen, die herzynisch (NNW–OSO) und variskisch (SW–NO) sind. Diese und andere an erforderlicher Stelle dosiert eingestreuten Fachbegriffe änderten nichts daran, dass Wolfgang Essig mit seinen kompetenten Erläuterungen immer ganz nah an seinen Zuhörern war und es ausgezeichnet verstand, diese anspruchsvolle geologische Thematik verständlich zu vermitteln. Zum Abschluss der kurzweiligen Veranstaltung verweilte man noch an beschaulicher Stelle bei einer kleinen Erfrischung zum fachkundigen Austausch.