Vortrag von Thomas Adam:
„Die Bauernkriege und der Freiheitsgedanke"

und

25 Jahre
Heimatkundlicher Arbeitskreis Odenheim
 

Bemerkenswertes Schicksal Odenheims

"Stecht sie nieder!“ Mit diesen Worten wurde einer Anekdote zufolge ein Odenheimer Bauerntross von den eigenen Leuten erschreckt, als er sich während des Bauernkriegs auf den Weg nach Bruchsal machte, um zum großen Bauernhaufen zu stoßen. Sie stoben in alle Winde auseinander. Eugen Krapp, der Sprecher des Heimatkundlichen Arbeitskreises Odenheim, begrüßte mit dieser kurzen Geschichte die interessierten Zuhörer, die der Einladung des Arbeitskreises gefolgt waren, um sich den Vortrag „Die Bauernkriege und der Freiheitsgedanke“ anhören zu können.

Der Referent des Abends, Thomas Adam, Leiter des Städtischen Museums in Bruchsal, verstand es ausgezeichnet, die Anwesenden für dieses Thema zu beigeistern. Er führte zurück in das beginnende 16. Jahrhundert, schilderte die Missstände in der damaligen Gesellschaft und hob insbesondere den Bauernstand hervor, der etwa 80 bis 85% der Bevölkerung ausmachte, aber nichts zu melden hatte. Unruhen machten sich in ganz Europa breit und es kam zu über 150 Bauernaufständen in einer Zeitspanne von zirka 50 Jahren. Bedeutend waren die Aufstände, die Joß Fritz aus Untergrombach anführte. Über einen Zeitraum von rund 25 Jahren organisierte er drei Bundschuhbewegungen, die allerdings alle verraten wurden.

Voller Energie und Emotionen zeichnete Herr Adam den Lebensweg von Joß Fritz nach und veranschaulichte gleichzeitig die Unterlegenheit der damaligen Bauernhaufen. Von den insgesamt rund 200000 aufständischen Bauern wurden durch die gut ausgebildeten Truppen der Obrigkeit die Hälfte niedergemetzelt. Durchaus Bemerkenswertes ereignete sich auch in Odenheim. Das von etwa 200 Bauern befestigte Dorf wurde vom großen Reiterheer des Georg von Waldburg nach kurzem Gefecht eingenommen. Geflüchtete Odenheimer schlichen nachts heimlich ins Dorf zurück und brannten 46 Häuser nieder, wodurch den Besatzungstruppen ein erheblicher Schaden an Pferden und Material entstand, was zu einer Verzögerung des Weitermarsches führte. In seinen Ausführungen ging Thomas Adam auch auf den Odenheimer Bauernführer Marx Horvath ein, der mit seinen Männern zunächst das Stift Odenheim niederbrannte und sich dann nach Bruchsal aufmachte, um sich dem großen Haufen anzuschließen. Der Referent rundete seinen Vortrag mit Dias von Gemälden damaliger Maler ab, die einen guten Einblick in die Lebensverhältnisse von einst ermöglichten.

In spürbarer Bewunderung für die Bauern jener Zeit teilte er seinen Zuhörern mit, dass die Kämpfe trotz Niederlagen nicht umsonst waren. Freiheits- und Gleichheitsgedanken fanden durch sie ihren Weg in die Köpfe der Menschen und wirken bis in unsere Zeit nach.

Den zweiten Teil der Veranstaltung bestritten die Mitglieder des Arbeitskreises in lockerer Atmosphäre selbst. Wie schon der erste wurde auch dieser musikalisch eingeleitet durch das Saxophonquartett des Musikvereins. Die Heimatkundler zeichneten in bunt zusammengestellten Dias Stationen ihrer 25jährigen Tätigkeit nach. Weg-, Gedenksteine und Gedenktafeln, eine Vielzahl an Vorträgen und Exkursionen, Wanderkarte und –markierungen, regelmäßig erscheinende Publikationen, wie Kalender und „da Linsabauch“, sowie die Herausgabe des Odenheimer Familienbuches sind Spuren, die regional und überregional von ihnen hinterlassen wurden.

Eine kleine Ausstellung über weitere Tätigkeitsfelder des Arbeitskreises und der Verkauf des Kalenders „Odenheim in alten Ansichten“ ergänzten den heimatkundlichen Abend.

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